„Kopf in den Sand ist das Schlimmste“

Interview mit René Proske zu neuen digitalen Angeboten für Kund*innen

Interview mit René Proske zu neuen digitalen Angeboten für Kund*innen

Nur wer jetzt sich jetzt mit virtuellen Angeboten im Markt positioniert und neue Ideen anbietet, bleibt relevant, sagt René Proske, Geschäftsführer der gleichnamigen Event Agentur. Er ist überzeugt: Die Branche kann es schaffen.

Eventcrisis: Was bedeutet die aktuelle Situation – die weltweite Verbreitung des Corona-Virus – für eine Eventmanagement-Agentur?
René Proske: Die Herausforderungen für uns und die gesamte Branche sind enorm. Natürlich konnten wir in den letzten Wochen vor allem Absagen und Verschiebungen beobachten. In die Gegenwart gedacht bedeutet das gleichzeitig: Nur wer jetzt noch relevante virtuelle Inhalte liefern kann, ist weiterhin intensiv im Einsatz.

Stichwort „Abstand halten“ – wie sieht Ihr Arbeitsalltag bei Proske derzeit aus?
Bei Proske haben wir bereits am 27. Februar in einem firmenweiten Meeting mit allen Standorten einen 3-stufigen Plan vorgelegt. Der erste Schritt war die Aufteilung in zwei Gruppen, die jeweils aus Kolleg*innen aus allen Abteilungen bestanden, und die sich weder in den Büros noch vor Ort bei Veranstaltungen überlappen durften. Ziel war es, bei einer Infektion weiter handlungsfähig zu bleiben. Zusätzlich führten wie einmal wöchentlich ein virtuelles Meeting mit allen Kolleg*innen durch. Im zweiten Schritt, am 6. März, wurde alle Kolleg*innen ins Home Office geschickt. Glücklicherweise sind 100 Prozent unseres Teams mit Home Office-Ausstattung versehen. Darüber hinaus gibt es seitdem tägliche Management-Calls und zweimal pro Woche ein virtuelles Meeting mit allen Kolleg*innen zur aktuellen Lage. Im dritten Schritt haben wir Umsatzszenarien und Liquiditätsszenarien mit drei möglichen Verläufen aufgestellt: keine Veranstaltungen bis Ende Juni, keine Veranstaltungen bis Ende August oder keine Veranstaltungen bis Ende Oktober. Mit diesen Szenarien operieren wir jetzt und treffen unsere Entscheidungen dementsprechend.

Mit welchen Ideen und Lösungsansätzen zum Thema Events reagieren Sie auf die aktuelle Krise?
Wir haben den Launch unseres Proske Virtual Venue dramatisch vorgezogen. Dazu hat unser Team die Tage und Wochenenden durchgearbeitet, unter Hochdruck getestet und programmiert. Mit diesem neuen Tool helfen wir nun unseren Kund*innen, geplante Formate und bereits erstellte Inhalte für face-to-face Veranstaltungen in den virtuellen Raum zu bringen. Genau dafür haben wir die Plattform geschaffen und bislang läuft es unglaublich gut.

Worauf kommt es aus Ihrer Sicht für die Veranstaltungswirtschaft in den nächsten Wochen und Monaten an?
Der deutsche Staat hat in der Krisensituation wirklich extrem schnell reagiert und das sollte uns Sicherheit geben. Mit den Finanzhilfen, Instrumenten wie der Kurzarbeit und der Kreativität, andere Formate zu entwickeln, wird die Branche überleben können. Klar ist jedoch auch, dass viele althergebrachte Dinge einfach ausgedient haben. Aus meiner Sicht helfen jetzt nur neue und innovative Ansätze. Vor allem aber gilt: MACHEN. Kopf in den Sand ist das Schlimmste. Alle unsere Kund*innen suchen auch händeringend nach Lösungen – und unsere Branche kann diese liefern.

Welche Wirkung hat die momentane Ausnahmesituation langfristig auf Veranstaltungen und Veranstaltungsformate?
Das ist, Stand heute, natürlich schwer zu sagen. Ein Aspekt erscheint mir aber sehr wichtig: Die logische Entwicklung unserer Branche hin zu mehr Digitalem wurde durch die aktuelle Ausnahmesituation unglaublich beschleunigt. Das Thema Nachhaltigkeit hätte uns ohnehin, wenn auch nicht so schnell und so extrem, vor ähnliche Fragen gestellt. Nun ist der Zeitpunkt da, den echten und messbaren Mehrwert von virtuellen Formaten unter Beweis zu stellen.

www.proske-virtual-venue.com