„Der persönliche Austausch wird mit der Pandemie zunehmend wichtiger“

Nachgefragt bei David Ruetz, Head of ITB Berlin

Nachgefragt bei David Ruetz, Head of ITB Berlin

In unserer Rubrik „Nachgefragt” berichtet diesmal David Ruetz, Head of ITB Berlin über die ITB Now als Mischung aus Netflix, Zoom und LinkedIn, Learnings aus der Krise, schwierige Prognosen und Pläne für 2022.

Timothy Aldrich, Trainee Communications, GCB
Die ITB Berlin muss nun bereits im zweiten Jahr auf das gewohnt physische Format verzichten. Wie stellen Sie sich die ITB Berlin der Zukunft vor? Werden Sie 2022 wieder zu einem rein physischen Format zurückkehren?
David Ruetz: Ich gebe zu, dass wir unsere Besucher gerne bei uns auf dem Messegelände begrüßt hätten. Die Reise- und Tourismusbranche ist schließlich ein People‘s Business und lebt vom persönlichen Kontakt. Immer mehr Studien zeigen bereits, dass der persönliche Austausch mit der Pandemie zunehmend wichtiger wird und mehr Wertschätzung erhält. Das bringt mich auch zur Beantwortung Ihrer Frage: Wir werden sicher zur analogen ITB zurückkehren, aber auch das digitale Format zeigt weltwelt akuell seine Vorteile: Größe Teilnahmechancen, größere Vernetzung, zeitunabhängige Verfügbarkeit der Inhalte, Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Hybrid lautet also das Stichwort. Wir werden im nächsten Jahr die essentiellen Bausteine einer realen und digitalen Branchenveranstaltung auf optimale Weise vereinen.

Christian Funk, Redakteur, tw tagungswirtschaft
Sie sagen, dass die ITB Berlin NOW vom 9. bis 12. März 2021 eine digitale und interaktive Mischung aus Netflix, Zoom und LinkedIn wird. Klingt vielversprechend, aber was können wir uns darunter vorstellen?
Unsere Plattform kann Entertainment, Geschäftspflege und Networking gleichermaßen. Netflix steht für unsere Kongressinhalte. Zoom – das steht für die Chat- bzw. Videochat-Funktionen, durch die Teilnehmer mit anderen in Kontakt treten und LinkedIn für die Business-Vernetzung- und Match-Making-Möglichkeiten. Die ITB Berlin Convention bietet spannende Panels und Sessions zu aktuellen Reisethemen. Fachbesucher und Medienvertreter können an Pressekonferenzen teilnehmen und sich danach in einem der 13 themenspezifischen ITB Berlin NOW Cafés treffen und sich austauschen zu Themen wie Youth Travel, LGBT, Travel Tech, Luxus, Hospitality und mehr. Unsere Aussteller präsentieren sich anhand ihrer Brand Cards, ihren digitalen Ausstellerprofilen, und im Showroom können Sie Produkte präsentieren. Der Discovery Graph und der Lead Finder runden das Netzwerken ab: Anhand der eingepflegten Interesse auf dem eigenen Profil oder der spezifischen Land-/Produktsuche können Aussteller, Fachbesucher und Medienvertreter gefunden werden und per Chat oder Audio-/Videocall kontaktiert werden.

Martina Neunecker, Head of Communications, GCB
Wenn Sie nach dem 12. März auf die ITB Berlin NOW 2021 zurückblicken - von welchen Erfolgen würden Sie gerne berichten können? Gibt es ein Ziel, das Ihnen persönlich dabei besonders wichtig ist?
Wir wünschen uns, dass es uns mit unserer Arbeit und der Plattform gelungen ist, die Branche wieder an einem Ort (wenn auch digital) zusammenzubringen und ihr ein Forum für den Austausch und gegenseitige Inspiration zu bieten- ihr vor allem eine Perspektive raus aus der Krise aufzuzeigen. Gerade die Reise- und Tourismusbranche ist von der Pandemie so stark betroffen: Von Hotellerie bis zu Kreuzfahrten, Reiseunternehmen, Luftfahrt oder Gastronomie – die Liste ist lang. Gerade jetzt ist der gemeinsame Dialog für die Branche von besonderer Wichtigkeit und wir hoffen, dass uns dies durch ITB Berlin NOW gelingen wird. Wir wollen Hoffnung machen und glauben, dass das Interesse am Reisen und den damit verbundenen Erlebnissen und der sprichwörtlichen Erweiterung des Horizonts ungebrochen ist – und durch die Pandemie nur Zwangpausieren muss.

Kerstin Wünsch, Chefredakteurin, tw tagungswirtschaft
Ich erinnere mich wie genau, wie ich “damals” vor dem Fernseher saß, die Tagesschau sah und kaum glauben konnte, dass Sie die ITB Berlin 2020 absagen mussten. Ein Jahr Corona - was würden Sie sagen, ist Ihr größtes Learning?
Das erste größte Learning kommt wohl aus der Digitalisierung. Es ist Wahnsinn, was so viele Unternehmen weltweit – und wir selbst auch – in einem Jahr gelernt haben: Sowohl an Know-how als auch Kreativität und Solidarität. Die Pandemie wirkt als Katalysator für die Digitalisierung. Es gab einen extremen Schub für die Weiterentwicklung der (Messe-)Konzepte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir zukünftig nicht mehr umfassend zu den alten Strukturen zurückkommen werden, weil die Weiterentwicklung so rasant war. Vieles wird sich jedoch mit dem bisherigen vereinen oder ausgleichen lassen. Zum zweiten haben wir gelernt, dass nichts so bleibt, wie es war, und dass alle Prognostik übermorgen von einer anderen Realität eingeholt werden kann. Das kann man pessimistisch oder mit einer Prise Gelassenheit nehmen.

https://www.itb-berlin.de/