„Wir werden gehört“

Fünf Fragen an Timo Feuerbach

Fünf Fragen an Timo Feuerbach

Timo Feuerbach, Geschäftsführer des EVVC – Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren, über das neue „Forum Veranstaltungswirtschaft“, die Kooperation mit der Initiative #AlarmstufeRot, die Forderung nach einem bundeseinheitlichen System zum Wiederanlauf und einer Ausfallversicherung.

Timothy Aldrich, Trainee Communications, GCB: Durch die Zusammenarbeit der fünf Verbände möchte das Forum Veranstaltungswirtschaft den Dialog mit der Politik weiter vorantreiben. Wie ist das Forum strukturell aufgestellt, um die teilweise unterschiedlichen Interessen in den verschiedenen Bundesländern und gegenüber der Bundesregierung zielführend zu kommunizieren?
Im Forum arbeiten wir bereits seit Monaten sehr erfolgreich zusammen. Dazu gibt es einen festen wöchentlichen Austausch und je nach Bedarf weitere Abstimmungen. Die beteiligten Verbände haben ja alle ihre Verbandsstrukturen, die eingespielt sind und gut funktionieren. Daher haben wir uns aktuell im Forum bewusst gegen eine starre Struktur oder zusätzliche Gremien entschieden, um auch weiterhin agil und flexibel auf die extrem dynamische Entwicklung nicht nur der Pandemie, sondern auch der Politik zu reagieren. Und die Lernkurve in der Zusammenarbeit sowie der Kommunikation in Richtung Politik wollen wir weiter beschreiten.

Christian Funk, Redakteur, tw tagungswirtschaft: Das Forum Veranstaltungswirtschaft versteht sich ausdrücklich nicht als Dachverband. Warum eigentlich? Wäre ein Dachverband nicht eine Möglichkeit, als Veranstaltungswirtschaft “aus der zweiten Reihe” – wie Sie sagen – der Wahrnehmung hervorzutreten?
Die Verbände haben ihre jeweiligen Strukturen und Bedürfnisse Im Forum behalten die Verbände diese Eigenständigkeit. Wir können Partikularinteressen diskutieren, Synergien finden und schlagkräftig agieren. In die „erste Reihe“ haben wir es durchaus geschafft, nehmen wir nur das persönliche Gespräch mit dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz als Beispiel. Aber auch auf Arbeitsebene in den Ministerien und durch alle Fraktionen des Bundestages – wir werden gehört. Da hat die Kooperation mit vielen Verbänden und Initiativen, insbesondere #AlarmstufeRot, natürlich geholfen. Und genau diese Aufmerksamkeit wollen wir verstetigen, auch über die aktuell drängenden Themen der Corona-Krise hinaus.

Sina Goy, Online-Redaktion, tw tagungswirtschaft: Die fünf Verbände im Forum Veranstaltungswirtschaft sind der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft e.V. (BDKV), der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC), die ISDV – Interessengemeinschaft der selbständigen DienstleisterInnen in der Veranstaltungswirtschaft e.V., die LiveMusikKommission e.V. und der VPLT – Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik e.V.. Warum diesen neuen Verbund? Warum haben Sie nicht einfach als #AlarmstufeRot, Bündnis zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft weitergemacht?
Alle Verbände waren auch in Vergangenheit aktiv in der Interessenvertretung. Die Kooperation mit #AlarmstufeRot hat der gesamten Branche genutzt, und das wird auch fortgeführt. #AlarmstufeRot ist aber kein Verband, sondern eine Initiative, auch wenn sich aktuell ein gemeinnütziger Verein in Gründung befindet. Für uns war es nach der guten und erfolgreichen Zusammenarbeit in den letzten Monaten der logische nächste Schritt, dem Kind einen Namen zu geben und mit dem Forum Veranstaltungswirtschaft die Arbeit der Verbände sichtbarer zu machen.

Martina Neunecker, Head of Communications, GCB: Wenn Sie einmal sechs oder zwölf Monate in die Zukunft blicken: Was möchten Sie als Forum Veranstaltungswirtschaft bis dahin erreicht haben? Welche Meilensteine sollten umgesetzt sein, damit Sie den Start des Forums als Erfolg betrachten?
Es liegt im Wesen der politischen Arbeit, dass es in der Regel keine 100-prozentige Umsetzung von Forderungen gibt. Das ist in der dynamischen Lage der aktuellen Pandemie noch schwieriger. Ziel muss es sein, dass wir weiterhin als konstruktiver Ansprechpartner der Politik wahr- und ernstgenommen werden. Natürlich wünschen wir uns ein bundeseinheitliches System zum Wiederanlauf, eine Ausfallversicherung zur Absicherung der Planungskosten und Investitionsprogramme. Wir müssen aber auch sehen, dass die Bundestagswahl ihre Schatten vorauswirft – der Wahlkampf hat längst begonnen. Und ganz abgesehen von 2021: Bedenkt man, dass die fünf Verbände sehr unterschiedliche Mitglieder mit teils durchaus gegensätzlichen Interessen haben, ist es für uns alle ein Erfolg, dass wir trotz der Krise und harter internen Diskussionen so geschlossen auftreten. Am meisten freuen würde es uns alle aber, wenn bald das mehr oder weniger alimentierte Stillhalten beendet wäre und wir wieder Menschen zusammenbringen können. Digital und hybrid, aber vor allem live und persönlich.

Kerstin Wünsch, Chefredakteurin, tw tagungswirtschaft: Die Erfahrung zeigt, dass das Engagement für “lose” Foren oder Allianzen Gefahr läuft, im Tagesgeschäft hinten herunterzufallen. Wie wollen Sie gemeinsam sicherstellen, dass das nicht geschieht?
Aktuell sind wir im Forum fast täglich im Austausch zu Themen, die zu 100 Prozent unser Tagegeschäft sind. Vielleicht nimmt die Frequenz in den nächsten Monaten oder in einem Jahr ab. Ich würde es mir wünschen, denn die Intensität geht nicht spurlos an uns vorbei. Allerdings werden uns die Themen langfristig nicht ausgehen. Und wir wollen ja keine parallele Bearbeitung, sondern gemeinsame Probleme anpacken und Synergien nutzen. Ich habe daher keine Bedenken, dass das Forum dem Tagesgeschäft zum Opfer fallen könnte. Dazu sind die Themen einfach zu wichtig.