“Es finden wieder erste Präsenzveranstaltungen statt“

„Give me five“ – Fünf Fragen an Helena Videtic

Helena Videtic, Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB), Foto: SCIB

Helena Videtic, Manager Meetings Germany & Austria beim Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB), über einen Educational Trip mit Corporate-Volunteering, das Schutzkonzept „Clean & Safe“ und den „Zoom Room“ im Hotel Säntispark in St. Gallen.

Timothy Aldrich, Trainee Communications, GCB: Das Coronavirus stellte die weltweite Tagungs- und Kongresswirtschaft vor ungeahnte und neue Herausforderungen. Der Umgang mit der Krise war dann jedoch von Region zu Region und von Staat zu Staat zum Teil sehr unterschiedlich. Wie hat Ihnen der grenzüberschreitende Austausch mit Ihren Kolleg*innen, beispielsweise im Rahmen des Destinations Circle, bei der Bewältigung dieser Ausnahmesituation geholfen?
In den akuten Coronamonaten und natürlich auch immer noch stehen wir im Verbund des Destinations Circle auf Länderebene im engsten Austausch. Es ist so unglaublich wichtig zu sehen, wie die verschiedenen Länder mit der aktuellen Situation umgehen und was ganz konkret unternommen wird. Der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen in den zwölf SCIB-Niederlassungen war und ist für mich ebenfalls enorm wichtig, um ein Gefühl zu bekommen, wie ich die Situation in meinem Land einzuordnen habe.

Christian Funk, Redakteur, tw tagungswirtschaft: Sie planen im September einen Educational Trip samt Corporate-Volunteering-Einsatz im Parc Ela. Was verbirgt sich dahinter und haben Sie bereits Anmeldungen von Veranstaltungsplanern aus dem Ausland?
Lieber Christian, die Idee ist recht simpel: Tu‘ Gutes und sprich‘ darüber. Wir werden einige Tage in der wunderbaren Bündner Bergwelt in der Landschaftspflege mithelfen, denn die Alpen sind nur so schön, weil sie von den Bauern gepflegt werden. Durch die Tatsache, dass die Schweiz zu den nachhaltigsten Ländern der Welt zählt, super viele nachhaltige Initiativen beherbergt, und es mir zudem ein ganz großes Anliegen ist, dass Veranstaltungen möglichst abfallfrei, klimaneutral und energieeffizient geplant und durchgeführt werden, kam diese Idee für den etwas anderen Branchentrip auf. Unser Fokus liegt auf Teilnehmern aus der DACH-Region und bis jetzt haben wir schon einen sehr spannenden Mix zusammen. Wem Corporate Social Responsibility ebenfalls ein Herzensthema ist und/oder an einer Teilnahme interessiert ist, kann sich gerne jederzeit bei mir melden.

Sina Goy, Online-Redaktion, tw tagungswirtschaft: Wie haben sich die Schweizer Event- und Kongresslocations auf die neuen Voraussetzungen im Hinblick auf Hygiene- und Sicherheitsstandards für Besucher und Personal vorbereitet? Welche Maßnahmen wurden ergriffen? Gibt es bereits Qualitäts- oder Prüfsiegel, durch die Planer*innen und Besucher*innen wissen, welche Maßnahmen von Locations umgesetzt wurden?
Die Schweizer Tourismus- und Veranstaltungsbranche mit all ihren Branchenverbänden hat mit der Einführung von Schutzmaßnahmen und dem Schutzkonzept „Clean & Safe“ sehr rasch auf COVID reagiert. Zurzeit sind Veranstaltungen für bis zu 1.000 Personen wieder erlaubt, sofern die Teilnehmer einen Abstand von 1,5 Metern einhalten und in Sektoren von 300 Personen aufgeteilt werden. Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern sind derzeit mindestens bis Ende August 2020 untersagt. Mehr Infos zum Label „Clean & Safe“ und den einzelnen Schutzkonzepten findet man hier.

Martina Neunecker, Head of Communications, GCB: Wie ist die aktuelle Situation in der Schweiz: Finden bereits wieder erste Präsenzveranstaltungen statt und wenn ja, unter welchen Rahmenbedingungen?
Generell ist die Schweiz ein Land, das eher kleine bis mittlere Veranstaltungsgrößen anzieht und ausrichtet. Es finden wieder erste Präsenzveranstaltungen statt, dank den Sommermonaten vorzugsweise aber auch gerne draußen, beispielsweise auf den diversen Schiffen des Vierwaldstättersees etc. In den meisten Fällen sind es im Moment Veranstaltungen von Schweizer Unternehmen oder Niederlassungen für Teilnehmer, die in der Schweiz wohnen. Veranstaltungen aus dem europäischen Ausland ziehen langsam wieder an. Das Thema „hybride Veranstaltungen“ war bereits vor Corona in aller Munde und wird natürlich jetzt so richtig gelebt, ein Beispiel ist der innovative „Zoom Room“ im Hotel Säntispark in St. Gallen.

Kerstin Wünsch, Chefredakteurin, tw tagungwirtschaft: In Anbetracht des Sicherheitsabstands von 1,5 m stellen das Congress Center Basel, die Messe Basel und die Messe Zürich zusätzliche Quadratmeter oder größere Räume ohne Aufpreis zur Verfügung. Welche Maßnahmen werden noch ergriffen, um Veranstaltungen in die Schweiz zu holen?
Während es die Bergdestinationen nicht gar so schlimm wie die Städte getroffen hat, findet man in der Schweiz auf Destinationsebene diverse Angebote und Initiativen, so zum Beispiel bei Zürich. Hier erhalten beispielsweise die ersten 1.000 Meeting Gäste einen Willkommensapéro gesponsert. Mehr Infos stehen hier. Zusätzlich konnte kurzfristig eine „Buyout“-Initiative lanciert werden – was vor Corona eher weniger gerne gesehen war, wird nun aktiv beworben. Mit dem Angebot „Rent a hotel“ bleibt die Gruppe und die Veranstaltung unter sich und man vermindert so das Risiko einer Ansteckung von außen.